Go to PSWP Fotogalerie 2008
Verloren in Gedanken und Gefühlen, mit Eindrücken aus einer fremden Welt, die wir noch gar nicht so richtig einordnen und verarbeiten können.
Die Hauptstraße von Kumba nach Mamfe ist rau und staubig. Der Urwald beginnt neben der schmalen Piste. Die Stimmen des Urwaldes sind laut und vielstimmig, er ist voller Leben. Würde man ihn lassen, würde er die Piste in kurzer Zeit zurück erobern. Aber man lässt ihn nicht. Im Minutentakt kommen uns große LKW schwer beladen mit den „Kadavern“ der Urwaldriesen entgegen. In Obang und nördlich davon wird der Urwald großflächig und langfristig abgeholzt. Zurück bleibt eine „Wüstenlandschaft“. Die Menschheit hat offensichtlich immer noch nicht begriffen, dass sie den Urwald braucht. Jeder LKW versetzt mir einen kleinen Stich ins Herz.
Nach einer halben Ewigkeit kommen wir vollkommen verdreckt, verschwitzt und müde in Mamfe, an der Presbyterian High School Besongabang (PHS) an. Die Einfahrt zum Schulgelände und die kalte Dusche unter dem Überlauf des Reservoirs mit der Urwaldkulisse sind für die neuen Mitglieder der Gruppe (20 von 24) die letzten Abenteuer für heute. Nach dem exzellenten Essen im Haus von Mr. Effim, dem Schulleiter fallen alle müde ins Bett – ich schlafe mit Olli, meinem Kollegen im „Ehe“ Bett – und erwachen am nächsten Morgen noch etwas verträumt in der neuen fremden, aber uns sehr wohlgesonnenen Welt des tropischen Regenwaldes im anglophonen Teil Kameruns in Schwarzafrika.
Es ist der zehnte Besuch einer Schüler-Lehrergruppe des Bodelschwingh-Gymnasiums Herchen (BGH) und der Dritte gemeinsam mit den Freunden vom Merlet College Cuijk (MC) aus den Niederlanden am PHS. Gemeinsam mit den Schülern und Lehrern der Partnergruppe vom PHS werden wir in den nächsten 3 Wochen auf dem Schulgelände leben und arbeiten. Diesmal steht das Verlegen einer neuen Druckwasserleitung vom Damm in Njack bis zum Zwischenspeicher auf dem Schulgelände im Vordergrund. Der Damm im Urwald ist einen knappen Kilometer vom Reservoir entfernt. Der Weg führt durch zwei Täler entlang eines kleinen Abhangs. Die gusseiserne alte Leitung aus den 60er Jahren hat sich von Innen zugesetzt und wird an vielen Stellen nur noch durch um sie herum gewickeltes Gummi aus alten PKW Schläuchen zusammen gehalten. Außerdem wurden noch einige andere Projekte realisiert. Leider fällt der Strom in Mamfe oft für Stunden oder Tage aus. Daher wurde das „power house“ renoviert und ein großer Dieselgenerator installiert. Die alten 60 Watt Glühlampen auf dem Schulgelände wurden durch die von Osram gespendeten 200 Energiesparlampen ersetzt. Die Sparlampen reichten auch noch für das benachbarte kleine kirchliche Krankenhaus. Handwerker erneuerten das Dach des Lehrerhauses, dass im April 2007 vom Sturm abgedeckt wurde. Überall im Schulgelände wurden Lecks in Dächern beseitigt, Deckenvertäfelungsplatten ausgewechselt und Elektroinstallationen erneuert. Vielen Menschen konnten wir aus privaten Notlagen heraus helfen, ihnen neuen Lebensmut geben. Darüber hinaus haben wir ein Rettungsprogramm für die, in Schieflage geratene Kleinbauernkooperative angeschoben. Mal sehen, ob es greift. Im Mittelpunkt des Projektes steht jedoch die Begegnung. Menschen aus Europa und Afrika sollen die Chance auf Begegnung, ein erstes „Beschnuppern“ bekommen. So sind wir drei Wochen lang von Morgens bis Abends, beim Arbeiten, beim „Relaxen“ beim Feiern (z.B. Silvester), beim Baden im Cross River und im Gottesdienst in der Kirche mit unseren afrikanischen Freunden zusammen.
Wir sind jetzt knapp zwei Wochen zurück, aber im deutschen Alltag angekommen sind wir noch nicht. Alle, Schüler und Lehrer/Begleiter sind tief beeindruckt von den Menschen, den Erlebnissen, von der vorher unbekannten und nun immer noch fremden Welt. Ein Begleiter bringt es auf den Punkt: „85% meiner Wachzeit denke ich an die vergangenen 4 Wochen... .“ „Die Erfahrungen aus den letzten Wochen geben mir Zuversicht, innere Ruhe und Kraft.“ Man hat vor der Fahrt viele Geschichten und Informationen gehört, Bilder und Videos gesehen – erlebt hat man es erst vor Ort. Jetzt nach der Rückkehr stellt man fest, dass man das, was man in sich trägt, nicht an Menschen weitergeben kann, die nicht dabei waren. Was allerdings in den Familien, Vereinen und am BGH „rüber kommt“ ist, dass wir alle tief beeindruckt, bewegt und gerührt sind – trotz Staub, Hitze, Durchfall, einfachen Lebensbedingungen (oft kein Wasser und kein Strom) und viel Arbeit - eine großartige Erfahrung, die wir nicht missen mögen und aus der wir viel lernen können.
