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Erkner 1993

Herchen, den 14.11.93

Erkner - Ein pädagogisches Schlüsselerlebnis

Vielleicht sind Sie auch Lehrer oder haben selbst 16-18 jährige Kinder, dann werden Sie das was wir Ihnen jetzt erzählen möchten vielleicht für eine Geschichte aus biblischen Zeiten halten.

Es begab sich zu der Zeit, da Dr. Wolfgang Pack Schuldirektor am Bodelschwingh-Gymnasium Herchen/NRW (BHG), Fritz Holaschke Schulleiter am Oberstufenzentrum I - Cottbus/Brandenburg (OSZI) und Erika Schneider Heimleiterin des Hauses Gottesschutz in Erkner/Brandenburg waren, im September anno 1993. (Das Haus Gottesschutz ist ein Heim für 175 Z.T. schwer mehrfach behinderte Frauen im Alter von 27 bis 71 Jahren. Zu dem großen Heimgelände am Rande Ostberlins gehört eine heimeigene Landwirtschaft und eine Gärtnerei. Das Heim gehört zu den Hoffnungstaler Anstalten im Verbund mit den Bodelschwinghschen Anstalten in Bethel. Ein Großteil der Gebäude wurde noch von Pastor Bodelschwingh selbst um 1900 herum erbaut.)

 

Bild 1 Das Birkenhaus – unsere Hauptwirkungsstätte

 

Da machten sich auf – eine Gruppe von 3 Mädchen und 3 Jungen der Jahrgangsstufe 12 nebst 2 Lehrlingen (Zimmermann, Bauzeichner) des OSZI mit den Lehrerinnen Sabine Offermann und Babette Glinscheid aus Cottbus und - eine Gruppe von 3 Jungen und 3 Mädchen der JGSt.1 0-12 des BGH mit den Lehrern Wilhelm Neef und Jürgen Nolde von Herchen gen Erkner.

 

Bild 2 Die Arbeitsgruppe (Leider nicht ganz vollständig) Ganz rechts die Heimleiterin Frau Erika Schneider

 

Es war kein Platz in den ohnehin eng belegten Häusern des Heimes, in dem die Zimmer zum Teil nur ein Grundfläche von 4m2 haben, und so kamen die Schüler und Lehrer während ihres 5tägigen Aufenthaltes im einzig möglichen Raum, dem Kirchsaal des Heimes unter. Sie schliefen dort auf Luftmatratzen und teilten sich die wenigen sanitären Einrichtungen mit den Heimbewohnern. Des Tages von morgens 8 bis abends 8 wurden im Birkenhaus, im Rosenhaus (Baujahr 1909) und am letzten Tag zusätzlich auch im Waldhaus Bretterwände, alte Wasserleitungen, verstopfte gusseiserne Abwasserleitungen, alte Toiletten, uralte Deckenspülkästen und steinerne Fußwaschbecken abgerissen, neue Wasser- und Abwasserleitungen verlegt, neue Toiletten montiert, Estrich gemacht, Fliesen gelegt und zwei neue Duschen eingebaut. Die Duschen, eine Duschabtrennung und viele Kleinteile wurden von Firmen gespendet. Die sonstigen Materialkosten in Höhe von etwa 2.500 DM wurden zum Teil von Frau Schneider privat und zum Teil vom Heim getragen. Des Abends und nachts saßen Schüler und Lehrer beisammen, klönten, diskutierten, lachten und sangen miteinander. Man kam sich näher und blickte auf die nähere gemeinsame Zukunft, den im März 1994 geplanten dritten Arbeitsbesuch an der Presbyterian Secondary School Besongabang/Kamerun, der Partnerschule des OSZI und des BGH. Die Heimbewohnerinnen bereiteten den Gästen aus Cottbus und Herchen feine Speisen, gaben ihnen zu trinken, schenkten ihnen Bescheidenheit und Offenheit und öffneten ihnen die Augen. Die Schüler(innen) waren keine Fachleute, viele hatten zunächst Angst vor der großen Aufgabe. Die sanitären Anlagen mussten in den drei Arbeitstagen fertig werden.

Auch die Heimleiterin sah dem Kommen der beiden Gruppen mit Bangen entgegen. Wie würden die Bewohnerinnen auf die ungewohnten Gäste reagieren, die ihr wohlgeordnetes Leben durcheinander bringen und die wenigen vorhandenen sanitären Anlagen blockieren würden? Aber die Angst war unbegründet. Es kam ganz anders. Beim Abschied schlossen Bewohnerinnen Juliane, Antje, Cindy und andere in die Arme, Tränen flossen und Adressen wurden getauscht.

 

Bild 3 und Bild 4: Die beiden Toiletten im Erdgeschoss des Birkenhauses vorher.

Bild 5: Die beiden Toiletten im Erdgeschoss nachher. Sie wurden nach unserer Abreise noch mit Trennwänden versehen.

Bild 6: Das Bad im 1. Stock des Birkenhauses vorher.

Bild 7: Das Bad des Birkenhauses nachher.

Bild 8: Bei der Arbeit

 

Zitate aus Schülerberichten:

Antje Beyer JGSt 10 Herchen:

„Die Dinge, die wir erledigen sollten, hörten sich recht unüberschaubar und schwierig an. Doch am nächsten Tag merkte ich schon, dass alles gar nicht so kompliziert war. Am Nachmittag bauten Nicole und ich z.B. ein Waschbecken mit Spiegel etc. ein. Wir verstanden uns sehr gut, auch mit den anderen, die dort arbeiteten. Ich fand es toll, wie hilfsbereit alle waren. Wenn mir ein Schraubenzieher fehlte, halfen gleich zwei Leute beim Suchen. Allerdings fand man die Werkzeuge am ersten Tag noch ziemlich schnell (das änderte sich dann)." .. "An unserem Kamerunabend fand ich es beeindruckend, wie spontan und schnell die Behinderten unsere Lieder lernten. Ich wünschte, ich hätte ihr Lied auch so schnell lernen können. Später sprachen mich oft Frauen an, die mir sagen wollten wie sehr ihnen der Abend gefallen hätte. Solche Begeisterung hatte ich nicht erwartet." "Ich glaube, wir alle können von der Ungezwungenheit und Offenheit, mit denen die Behinderten auf uns zugehen, lernen. Mit vollem Vertrauen redeten sie mit uns. Eine Frau erzählte mir von ihrer Puppe Christina, andere zeigten mir ihre Zimmer und erzählten aus ihrem Leben. Manche interessierten sich sehr dafür, was wir taten und schauten ein bisschen bei der Arbeit zu. Es war toll wie viel Vertrauen die Lehrer in uns setzten. Jeder brauchte erstmal etwas Mut um selbständig zu arbeiten, aber es machte viel mehr Spaß, als unter ständiger Anleitung zu stehen. Wenn irgendetwas nicht klappte, gingen wir natürlich zu einem Lehrer (oder einer Lehrer(in), aber zuerst versuchten wir selbst das Problem zu lösen. Oft war es dann überflüssig, jemanden zu holen, der helfen sollte. Insgesamt herrschte auch bei der Arbeit eine lustige, entspannte Stimmung. Oft gab es Späße, und mit Humor halfen wir uns über die weniger appetitlichen Arbeiten hinweg. Bei der Arbeit hatte jeder seine Aufgaben. So hatte hinterher jeder etwas von seiner Anstrengung dort hinterlassen. Das verband die Gruppe und gab jedem das Gefühl gebraucht zu sein. Es ist schade, dass solche Arbeitseinsätze nicht öfter gemacht werden. Sie sind zwar ein bisschen anstrengend (besonders bei 10 Stunden Fahrt), aber man lernt viel über sich selbst. Du fügst dich in eine Gruppe von verschiedenen Menschen ein, lernst andere kennen und wo ihre Qualitäten liegen. Du merkst auch wo du ihre Hilfe brauchst oder wo sie dich brauchen. Indem du mit den anderen zusammen etwas schaffst siehst du deine Fähigkeiten und Grenzen. In der Schule tritt meistens jeder als Einzelkämpfer auf. Aber wenn man sich nicht mit anderen auseinandersetzt, lernt man auch nicht so viel für sein Leben." .. "Bei solchen Arbeitseinsätzen sieht man auch, wie gut einmal auf den üblichen Luxus verzichtet werden kann." .. "Schade, dass die Cottbuser so weit weg wohnen. Ich freue mich schon auf das nächste Treffen mit ihnen."

 

Bild 11: das große Badezimmer im Erdgeschoss des Birkenhauses vorher. Achten Sie auf die Fußwaschbecken an der hinteren Wand.

 

Juliane Kamann JGSt 12 Herchen:

"Auf der Fahrt zu unserem Arbeitseinsatz in Erkner habe ich mir viele Sorgen gemacht. Schließlich sollten wir die Cottbuser kennen lernen, ohne technische Vorkenntnisse Reparaturarbeiten vornehmen und würden außerdem mit den Behinderten zu tun bekommen - für mich eine absolut neue Erfahrung." .. "Aber schon am nächsten Morgen legte sich das wieder, ... " .. "An dem Tag lernte ich auch löten. Vorher hatte ich das noch nie gemacht, aber es ist auch eigentlich nicht besonders schwierig. Trotzdem war ich ziemlich stolz, als ich es dann konnte. Ich fand es gut, dass wir recht selbständig arbeiten konnten." .. "Der Kontakt mit den Bewohnern des Heimes war nicht so intensiv wie ich erwartet hatte." .. "Eine große Ausnahme war natürlich der Afrika Abend, ... " .. "Eine junge Frau kam auf mich zu und umarmte mich. Es hatte ihr gefallen, wie ich vorgesungen hatte. Darüber freute ich mich natürlich. Später kam sie zurück und bat mich, ihr zu schreiben. Wir haben die Adressen getauscht (eine kleine Schwierigkeit, da sie weder lesen noch schreiben kann). Sie hat beim Abschied sehr geweint und ich hatte Mühe, sie zu beruhigen. Nach meiner Rückkehr nach Hause habe ich ihr, wie versprochen, geschrieben. Ihr Schicksal hat mich noch lange beschäftigt, besonders weil sie keine Verwandten oder Freunde außerhalb des Heimes hat. Aber ich will wieder auf unsere Schüler zurückkommen. Wir hatten natürlich abends Diskussionen über die deutsche Einheit und ähnliche Dinge. Wir kamen zwar nie auf einen gemeinsamen Nenner, aber glücklicherweise haben wir uns über dieses Thema auch nie ernsthaft gestritten. Erst sind wir an dieses Ost/West-Thema sehr vorsichtig herangegangen (besonders wir Herchener, glaube ich), weil wir nicht wussten, wie die anderen reagieren würden. Aber zum Schluss sind wir so locker damit umgegangen, dass wir uns sogar scherzhaft sagen konnten "Du bist ja nur'n Ossi" oder "Mensch, sind die Wessis bescheuert" usw .. " .. "Mir ist bewusst geworden, dass zwischen allen Teilnehmern eine ganz tolle Freundschaft entstanden war, die über das gewöhnliche Zusammenarbeiten weit hinausging. Die Harmonie war an diesem Abend praktisch greifbar. Der Auswahlstress hatte uns noch etwas zu schaffen gemacht. es erschien uns - soweit ich weiß allen unmöglich, 10 Leute herauszusuchen, die mit nach Kamerun sollten." .. "Es ist nicht nur, dass ich es für die Leute, die nicht für Kamerun ausgewählt werden, schade finde, sondern ich habe auch Angst, dass ich diejenigen der Cottbuser nicht wieder sehen werde. Ich finde nämlich, dass die Cottbuser Gruppe einfach ganz toll ist!!! Im Ganzen war die Zeit nur viel zu kurz."

 

Bild 12: Das große Badezimmer im Erdgeschoss des Birkenhauses hinterher.

 

Spätestens mit dem Kamerunabend, den die Gruppen aus Herchen und Cottbus für die Heimbewohner veranstalteten, brach das Eis. Es wurde zusammen gesungen und gesprochen. Viele Bewohnerinnen nahmen die Schüler mit auf ihre Zimmer und erzählten ihnen ihre Lebensgeschichte oder ihre kleinen Sorgen.  Auch die Arbeit wurde vollendet. Am letzten Abend waren fünf neue Toiletten und zwei Duschen funktionstüchtig, die Räume zum Teil neu gestrichen, Leitungen verlegt, Fliesen verfugt und das alles ohne Drängeln und Gängeln seitens der Lehrer. Jeder brachte sich nach seinen Fähigkeiten ein, suchte Arbeit und schreckte auch nicht vor schmutziger Arbeit zurück. Vielleicht halten Sie unsere Geschichte auch nicht für eine solche aus biblischen Zeiten und haben ähnliches schon selbst erlebt. das wäre schön. Für Uns, die wir schon viele Fahrten gemacht und seit langem mit Jugendlichen umgehen, war dies in dieser Intensität bisher ein einmaliges Erlebnis.

 

Bild 9: Der Kamerunabend.

Bild 10: Ein Journalist der Märkischen Oderzeitung interviewt die Gruppe.

 

Warum nur ist das Alltagsunterrichts"geschäft" oft so mühsam, von vielen Auseinandersetzungen mit den Schülern geprägt? Wir glauben zumindest einen Teil der Antwort zu kennen - es fehlt die Krippe im Stall, der alles erhellende Sinn, der sich selbständig seinen Weg in die Herzen der Menschen sucht. Nicht dass wir glauben Schule könnte nur aus "Erkner-Erlebnissen" bestehen. Schule ist Alltag und muss auch Alltag bleiben. Leider fehlen solche Erlebnisse oft völlig. Wir jedenfalls haben etwas gelernt. Es wäre schön, wenn wir diese Erfahrung weitergeben und Mitstreiter für mehr "Erkner-Erlebnisse" in der Schule finden könnten.

 

"Entlassungsworte" von W.Neef am letzten Tag in Erkner, gerichtet an die Schüler, geschrieben am Abend zuvor.

Ihr habt mich etwas gelehrt in diesen 4 Tagen,

mich zum Träumen gebracht.

"we donc stay together for here.

we de tory

we de work

we de sing

we de"

Wir stehen am Anfang,

haben begonnen uns kennen zu lernen

und haben uns gemeinsam für etwas eingesetzt, von dem wir überzeugt sind.

Wir brauchen Rückgrat!!

Wir brauchen Freundschaft!!

Ihr habt mich etwas gelehrt in diesen Tagen, mich beeindruckt.

Wir werden eine Auswahl treffen was die nach Kamerun mitreisenden Schüler betrifft. Wir müssen eine Auswahl treffen. Ich könnte alle mitnehmen, aber das geht leider nicht. Ich werde eine Liste herumgehen lassen, eine Liste mit meiner Adresse und bitte euch eure einzutragen.

Vielleicht brauchen wir einander einmal. Und sei es nur als Freund für ein Gespräch.

 

Sebastian Bruhn JGST12 Herchen:

"Die Gruppe war für mich ein Ideal. Ein Ideal was Gleichberechtigung und Teamgeist betrifft." .. "Aber ich lernte auch, Verantwortung zu übernehmen, da bei den Arbeiten nur selten jemand von den beiden Lehrern (Nolde +Neef) dabei waren. Ich empfand teilweise Stolz, wenn ein kniffliges Problem (Toilette) ohne sehr viel Hilfe von außen allein bewältigt war und am Ende auch alles funktionierte."

 

Alexander Stark JGSt.12 Herchen:

"Dass die Machthaber der Ex- DDR nicht sehr sorgsam mit den Behinderten in ihrem Land umgegangen waren, wusste ich. Man hatte überhaupt wenig für die Wohnkultur des Volkes getan - vor allem was die Qualität betraf. Berichte im Fernsehen sowie Informationen und Bilder, die die Projektleiter bei einem Vorbesuch aus den Hoffnungstaler Anstalten in Erkner mitgebracht hatten, ließen also den Arbeitsaufenthalt in Erkner als sinnvoll und notwendig erscheinen, zumal eine Arbeitssituation für den Aufenthalt der Kerngruppe in Kamerun simuliert werden musste. Da die sanitären Einrichtungen im Allgemeinen in einem katastrophalen Zustand waren, sollte die Renovierung dieser, unsere Hauptaufgabe darstellen. Dabei war die Zeit für Vorbereitungen und Besorgungen äußert knapp bemessen, am 26.09. sollte es losgehen:" ... "

 

Bild 13: J.Nolde bei der Arbeit

 

Dennoch war die Lage und die Größe der Anlagen beeindruckend, die durch Flutlichtscheinwerfer und Laternen beleuchtet wurden - ein richtiges kleines Dorf. Man konnte dort jedenfalls schon sehen, daß in den letzten zwei Jahren dort schon viel getan worden war, ... " ... "Am Montagmorgen nach dem Frühstück begann der erste Arbeitstag und ich sah mir mit meiner Arbeitsgruppe die ersten Toiletten an, denn ich hatte mich am Vorabend zusammen mit Sebastian und Tino für das Austauschen der Kloschüsseln entschieden. Außerdem sollten die alten, an der Decke befestigten Wasserkästen gegen moderne Wandkästen getauscht werden. Die beiden ersten Toiletten ließen sich relativ leicht entfernen, mehr Probleme brachte schon das .. Wegreißen einer hölzernen Trennwand mit sich, was einen erheblichen Aufwand an Zeit und Mühe kostete und obendrein dabei viele der Glaskacheln von der Wand gelöst wurden. So hatte ich zuerst das Gefühl mehr zu zerstören als zu erneuern. Doch es verging nicht viel Zeit, bis die erste neue Kloschüssel samt Wandkasten montiert war und ich gezeigt bekam, wie man diese anschließt, was mir mein Leben lang von Nutzen sein wird. Beim Einbau der zweiten Toilette tauchte dann unser erstes Dauerproblem auf. Vorher stand die alte Kloschüssel diagonal im Raum, weil das Abflussrohr auf dieser Seite des Raumes genau in der Ecke verlief. Dies war auch problemlos möglich, denn der alte Wasserkasten war ja an der Decke befestigt. Der neue Wandkasten jedoch musste parallel zur Wand angebracht werden, folglich dessen musste dann auch die Toilette senkrecht im Raum stehen. Nun passten aber die Anschlüsse für das Abflussrohr nicht mehr.

 

Bild 14: Die beiden Toiletten im Tannenhaus, dem ältesten Haus in Erkner. Obwohl das Haus wahrscheinlich in einigen Jahren abgerissen wird, konnten wir nicht abfahren ohne auch hier die beiden Toilettenanlagen erneuert zu haben. Leider haben wir versäumt, nachher Fotos zu machen.

 

Nach einigen Überlegungen entwarf ich eine neue Konstruktion aus alten und neuen Abfallrohren, allerdings musste jetzt die Toilette auf einen Sockel gesetzt werden, der sofort gemauert wurde." ... "Danach erreichte mich die schlechte Nachricht, dass der Sockel, auf dem die Problemtoilette gestanden hatte, beim Bohren für die Befestigungsschrauben der Kloschüssel auseinander gebrochen war. Der neue Sockel trocknete an diesem Tag nicht mehr." ... (Bemerkung des Verfassers: Neue Toilette) "Als ich dann die Kloschüssel an das Abflussrohr anschließen wollte, stieß ich auf das nächste Problem. Die Größe des Abflussrohres stimmte nicht mit dem gelieferten Zwischenstück überein, so dass das Zwischenstück an den Boden angemauert werden musste. Zu allem Überfluss kam gegen Abend heraus, dass keines der beiden gebastelten oder gemauerten Rohre dicht war, ... "Am Mittwoch mussten alle Arbeiten beendet werden, koste es was es wollte. Glücklicherweise gab es mit den Toiletten keine Probleme mehr, weder mit Sockeln noch mit undichten Rohren. Dennoch gab es noch viel zu tun, bis alle Arbeit beendet war." ... (Bemerkung des Verfassers: Mittwoch Abend, der letzte Tag vor der Abreise am Donnerstag Morgen)" ... , doch als es dunkel wurde konnten die Arbeiten erfolgreich eingestellt werden. Neben den Toiletten wurden, wie erwähnt, von anderen Mitgliedern der Gruppe auch noch zwei Duschen und ein Waschbecken montiert sowie zahlreiche Wasserleitungen gelötet und verlegt, überalterte Fußwaschbecken abgerissen, Wände neu gestrichen und gefliest und viele kleinere Arbeiten verrichtet." ... "

 

Bild 15: Ein Blick in das Toilettenhäuschen im Tannenhaus. Zwei Toiletten für etwa 18 Bewohnerinnen.

 

Was lässt sich kurz als Fazit über die Arbeitsfahrt nach Erkner sagen? - Die Arbeit hat Spaß gemacht, man musste selbstständig aufkommende Probleme lösen und konnte die Genugtuung genießen, wenn alles geklappt hatte. - Der Kontakt mit den Behinderten lief weitaus besser, als ich mir es vorgestellt hatte. Alle sprachen vorher immer, wie schwierig und ungewohnt dieser Kontakt sein würde. Sicherlich darf man bei den Heimbewohnern nicht dieselben Maßstäbe anlegen, wie bei den sogenannten "Normalen", doch habe ich mir manchmal überlegt wer hier "normal" ist und wer nicht. - Über die Gruppe sagte Herr Neef am letzten Abend: "Wir hatten bis jetzt noch keine Gruppe, die so gut war, wie diese" und ich kann nur sagen; dass es mir sehr schwer fiel zu entscheiden, wen ich mit nach Kamerun nehmen würde."(Bemerkung des Verfassers: Als eine der Grundlagen für die, von den Lehrern getroffene Entscheidung, wer mit nach Kamerun fahren kann, füllte jeder Schüler anonym einen entsprechenden Fragebogen aus.)" Für die Zukunft könnte ich mir einen weiteren Einsatz in Erkner gut vorstellen, zu tun gibt es jedenfalls genug. -"

 

Herchen, den 02.12.93

 

Thesen im Nachklang zum Erknerbericht:

These 1: Wir brauchen Freiräume in der Schule

 

These 2: Der Lehrer muss situationsabhängig Freund, Ansprechpartner, Autoritätsperson und Vorbild sein.

 

These 3: Schüler brauchen eine vertraute Umgebung, kleine überschaubare beständige Lerngruppen.

 

These 4: Schüler brauchen ein "wir" Gefühl. Sie müssen von ihrer Schule, nicht von der Schule sprechen. Dazu muss es Dinge an der Schule geben, die es den Schülern ermöglich en) sich mit ihrer Schule zu identifizieren.

 

These 5: Wir brauchen Zeit füreinander.

 

These 6: Schüler müssen gefordert werden. Wahre Erfolgserlebnisse erfordern relativ anspruchsvolle Herausforderungen.

 

These 7: Schule muss Lebens- und Lernraum sein und darf sich keinesfalls auf eine Funktion beschränken.

 

These 8: Schüler sind leistungsfähig und leistungswillig. Sie müssen Gelegenheit bekommen) sich sinnvoll in die Gesellschaft einzubringen. Hierzu gehören echte soziale, handwerkliche und kreative Aufgaben. Unsere Gesellschaft bietet solche Aufgaben ,im Überfluss (Altenbetreuung, Arbeiten am und im Schulgebäude, Durchführung und Planung von Sammlungen, vielfältige Hilfestellungen für, Hilfebedürftige, Anlegen von Freizeitanlagen sind nur einige Beispiele). Künstliche Aufgaben und solche, die die Schüler unterfordern) sind abzulehnen.

 

These 9: Gemeinsam können wir viel erreichen.

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